ADAC Hockenheim Historic – Ein Klassiker der Superlative

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Pech für Nissen (BMW M3 E30 DTM ) am Sopnntag // Foto: Hockenheim-Ring GmbH

 Die ADAC Hockenheim Historic 2024 übertraf die höchsten Erwartungen. Rund 33.000 Fans sorgten für einen Ansturm auf das Motodrom.  Legendäre Boliden und viele große Namen sorgten für Gänsehaut-Stimmung.

Der Boom des historischen Motorsports setzt sich ungebremst fort. Die „ADAC Hockenheim Historic – Das Jim Clark Revival“ vom 3. bis 5. Mai 2024 war der beste Beweis dafür. Rund 33.000 Zuschauer gaben sich an den drei Veranstaltungstagen dem Genuss des Racings vergangener Tage hin – und dies trotz wechselhaften Wetters am Sonntag. Ergebnisse und motorsportliche Perfektion traten für einmal in die zweite Reihe. Viel wichtiger waren Emotionen, Geräusche, Gerüche, Geschmack und die Schönheit, die von Rennfahrzeugen ausgeht, bei denen die Form meist noch wichtiger war als die Funktion.

Von allem boten die knapp 400 Teilnehmer in neun Rennserien reichlich. Insbesondere der von Kaiserwetter geprägte Samstag sprengte alle Erwartungen. Volle Tribünen, Getümmel im Fahrerlager, annähernd 200 fleißige Medienvertreter vor Ort – an Superlativen fehlte es beim Debüt der beliebten Classic-Veranstaltung unter dem Namenspatronat des ADAC wahrlich nicht.

Und auch wenn die Ergebnisse bei der ADAC Hockenheim Historic mitunter nicht mehr als eine Randnotiz darstellen, so bedeutet das keineswegs, dass die automobilen Kostbarkeiten nicht artgerecht bewegt wurden. Im Gegenteil: Wenn bei den „Tourenwagen – Golden Ära“ mehr als 40 Tourenwagen aus den guten alten Zeiten von DTM, STW oder DTC von der Leine gelassen werden, werden auf der Piste keine Gefangenen mehr gemacht – schon gar nicht, wenn Haudegen wie Kris Nissen, Olaf Manthey, Harald Grohs oder Altfrid Heger am Lenkrad kurbeln.

Die Zuschauer waren begeistert von den Boliden aus den guten alten Zeiten von DTM, STW oder DTC // Foto: Hockenheim-Ring GmbH

Doppelsieg für Heger, Rennpech für Nissen

Letzterer gewann im Audi V8 quattro übrigens beide Rennen, während Ersterer seinen BMW M3 E30 DTM am Sonntag wegen eines gerissenen Keilriemens vorzeitig abstellen musste. „Aber das“, so die dänische Rennlegende Nissen, „spielt nur eine Nebenrolle, zumal keine Folgeschäden aufgetreten sind. Beim Jim Clark Revival anzutreten, bedeutet etwas anderes: den Genuss, diese wunderschönen Rennautos fahren zu dürfen, und die Geselligkeit mit Gleichgesinnten. Früher ging’s um Punkte, heute geht es um Freude. Was die Hockenheimer mit diesem Event auf die Beine gestellt haben, ist fantastisch. So viele tolle Autos, so viele Fans, darunter auch so viele junge Leute – ich glaube, der historische Motorsport wächst und wächst, und das ist einfach schön.“

Große Namen standen auch in anderen Rennserien am Start. Der ehemalige Formel-1-Pilot Antonio Pizzonia aus Brasilien zum Beispiel, der am Steuer seines Dallara-Gibson V8 aus der damaligen World Series wie im Vorjahr beide Läufe der BOSS GP Serie für sich entschied. Oder Ralf Kelleners, der mit seinem knallgelben De Tomaso Pantera GTS das Feld des DRM-Revivals aufmischte, in dem sich auch der bereits erwähnte Olaf Manthey, Peter Mücke und andere Racing (G)Oldies tummelten.

Zu den Vielfahrern zählte wie immer Marco Werner. Die Besucher der ADAC Hockenheim Historic wurden Zeuge, wie der gebürtige Dortmunder an der Box aus seinem Lotus 22 Formel Junior aus der Lurani Trophy sprang und mit Helm auf dem Kopf in die Gebhardt Box sprintete, um dort seinen Gebhardt-Audi C2 aus dem MOMO Sportscar Supercup zu entern. Den einmal mehr der Brite Michael Lyons in seinem Gebhardt C91-Cosworth C1 dominierte. Und natürlich war Werner im Lotus 76 des Schweden Ronnie Peterson aus der F1-Saison 1974 auch dabei, als die historische Grand-Prix-Gilde den Fans auf den Tribünen eine optische und akustische Showeinlage vom Feinsten darbot.

Tollen Motorsport zeigten die Teilnehmer des MOMO Sportscar Supercup // Foto: Hockenheim-Ring GmbH

Grand-Prix-Renner aus dem Jahre 1948

Mit dabei war übrigens auch eine echte Rarität: Dr. Klaus Lehr steuerte seinen Talbot Lago T26C, der beim ersten Nachkriegs-Grand-Prix, dem Großen Preis von Monaco 1948, mit am Start gewesen war. Der 4,5-Liter-Sechszylinder-Vergasermotor leistete schon damals stolze 280 PS, verzögert wurde natürlich mit Trommelbremsen. Lehr: „Ich fahre auch noch einen um zehn Jahre jüngeren Maserati 250 F. Der Unterschied beim Fahren ist gewaltig. Aber faszinierend sind sie beide.“ Vom materiellen Wert oder gar Kaufpreis derartiger automobiler Preziosen zu sprechen, wäre an dieser Stelle unschicklich …

Und dabei wurden die insgesamt mehr als 60 Monoposti aus der historischen Formel Vau oder dem ADAC Graf Berghe von Trips Pokal, in dem sich vom Formel 3 bis zum Formel Ford alles tummelte, was im internationalen Nachwuchsformelsport jemals von Belang war, oder das Feld des Lotus Cup Europe noch nicht einmal erwähnt. Jedes einzelne Rennfahrzeug ließ Kenner mit der Zunge schnalzen.

Und wie immer dabei war auch Kurt Ahrens. Der Braunschweiger, der vor wenigen Tagen 84 Jahre alt wurde und in den 60er- und 70er-Jahren zu den vielseitigsten und schnellsten Rennfahrern Deutschlands zählte, ließ es sich einmal mehr nicht nehmen, am Jim Clark Memorial einen Kranz im Gedenken an seinen am 7. April 1968 in Hockenheim tödlich verunglückten Wegbegleiter und Freund niederzulegen und nebenbei unzählige Autogramme zu schreiben – wie übrigens auch Clemens Schickentanz (79), unter anderem 1970 an der Seite von Hans-Joachim Stuck der erste Sieger des 24-Stunden-Rennens auf der Nürburgring-Nordschleife.                 

Die BOSS GP Serie begeisterte mit ihren Boliden // Foto: Hockenheim-Ring GmbH

Begeisterung bei der Geschäftsleitung

Vom Zauber ihrer eigenen Veranstaltung ließ sich sogar die Geschäftsleitung der Hockenheim-Ring GmbH mitreißen. „Die ADAC Hockenheim Historic hat am vergangenen Wochenende ihren Status als Top-Klassik-Veranstaltung erneut eindrucksvoll untermauert. Vor allem am Samstag erinnerte die Kulisse mit vollen Tribünen im Motodrom an die goldenen Zeiten des Motorsports und sorgte für Gänsehautfeeling“, so Jochen Nerpel, Geschäftsführer der Hockenheim-Ring GmbH.

Sein Geschäftsführer-Kollege Jorn Teske ergänzt: „Unser Dank gilt dem ADAC, der in diesem Jahr erstmals das Titelpatronat übernommen hat. Dank des Engagements des Automobilclubs, das weit über das Titelsponsoring hinausging, ist es wieder gelungen, ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm für die ganze Familie auf die Beine zu stellen. Allein auf dem Gelände des Markenclubs waren am Samstag und Sonntag über 600 Automobile zu bestaunen. Ob in den Boxen, im Fahrerlager, im Kongress-Pavillon oder auf dem Boxendach – überall gab es etwas zu sehen und zu erleben. Bei der ADAC Hockenheim Historic wird die Nähe zu den Fans gelebt.“                              

Der langjährige Organisator der Veranstaltung, Wolfgang Huter, freut sich vor allem über das gelungene Programm auf der Rennstrecke: „Wir geben jedes Jahr Vollgas, um starke Starterfelder präsentieren zu können. Auch an diesem Wochenende gab es wieder erstklassige Fahrzeuge, spannende Rennen und viele große Namen wie zum Beispiel bei der Tourenwagen Golden Ära oder dem DRM-Revival auf der Strecke zu bewundern. Diese hochkarätige Mischung zeichnet die Veranstaltung seit Jahren aus.“

Neuer Termin

Abschließend noch ein ganz heißer Tipp: Die nächste „ADAC Hockenheim Historic – Das Jim Clark Revival“ geht vom 9. bis 11. Mai 2025 über die Bühne. Schnellentschlossene finden im Ticketshop unter www.hockenheimring.de einen Early-Bird-Tarif!