ADAC Hockenheim Historic – Wenn sich Legenden an Legenden erinnern

711
Formel V im Fahrerlager des Hockenheimrigs // Foto: Hockenheim-Ring GmbH

Vom 3. bis 5. Mai steigt auf dem Hockenheimring Baden-Württemberg eines der größten Classic-Festivals Europas. Rund 500 Teilnehmer in neun Klassen begeistern die Fans historischen Racings. Die Formel V revolutionierte in den 1960er-Jahren den europäischen Formelsport.

Die gute alte Zeit des Rennsports – die „ADAC Hockenheim Historic – Das Jim Clark Revival“ lässt sie für ein Wochenende wieder aufleben. Eine Zeit, in der zweifellos nicht alles besser war. Aber weniger perfektionistisch, unkomplizierter, nahbarer, mitunter etwas hemdsärmelig. Und sicherlich auch hier und da ein bisschen verrückt. Von dieser großartigen Mischung geht jede Menge Faszination aus, und die bildet gewissermaßen die DNA der ADAC Hockenheim Historic.

Exemplarisch für diese „wilde“ Zeit des Motorsports steht die Formel V. 1965 brachte der legendäre frühere Porsche-Rennleiter Huschke von Hanstein die erste Markenformel der Welt aus den USA mit. Als Kraftquelle wurde der 1,2-Liter-Vierzylinder des VW Käfer mit brachialen 34 PS auserkoren, die Rohrrahmen-Chassis stammten wahlweise von Beachcar oder Formcar, wobei Letzteres durchaus optische Reminiszenzen an eine Badewanne aufwies. Weitere Merkmale: Mindestgewicht 375 kg, profilierte Gürtelreifen, Viergang-Getriebe, auf Feuerlöscher oder Sicherheitsgurte wurde großzügig verzichtet. Wesentlich wichtiger: Ein rennfertiger Formel V kostete kaum mehr als 7000 Mark. Und so fing alles an, 1965 mit dem ersten Rennen auf dem Norisring.

Einer, der das Formel-V-Spektakel von der ersten Stunde an begleitet hat, ist Rainer Braun, seinerzeit ein überaus fähiger Rennfahrer, der parallel eine Laufbahn im Journalismus einschlug und bis heute als Doyen nicht nur der deutschen TV-Kommentatoren und Streckensprecher, sondern auch der schreibenden Zunft im Motorsport gilt.

R. Braun, FV Kaimann-Sieg 1970 in Hockenheim// Foto: HP Seufert

Braun war jedenfalls seinerzeit am Norisring mittendrin, statt nur dabei – in einem Formcar und stilecht im Sakko. Wer braucht schon feuerfeste Rennoveralls, wenn er keine Gurte hat? „Wir haben uns damals nicht allzu viele Gedanken gemacht. Und falls doch, wurden sie verdrängt“, erinnert sich der 83-Jährige nicht ohne Schaudern. „Die Autos waren furchtbar zu fahren. Die Leistungsdichte war enorm, dementsprechend konntest du dich nur mit Brutalität durchsetzen. Die Autos hatten null Grip, wir sind nur rumgerutscht. Einen Marko zu überholen, war so gut wie unmöglich, so quer fuhr der …“

Dr. Helmut Marko ist nur einer aus einer ganzen Reihe motorsportlicher Hochkaräter, die sich ihre ersten Sporen in der Formel V verdienten: Niki Lauda, Keke Rosberg, Manfred Schurti, Helmut Koinigg, Arie Luyendyk, Freddy Kottulinsky, John Nielsen, Emerson Fittipaldi, Harald Ertl, Marc Surer, Klaus Niedzwiedz, Manfred Jantke – die Liste ist geradezu endlos. „Doch so hart es auf der Rennstrecke zuging, so gewaltig war auch die Kameradschaft“, streicht Braun heraus. „Ich erinnere mich an Rennwochenenden, an denen wir zu sechst im Doppelzimmer geschlafen haben.“

Mit der Zeit wurde natürlich auch die Formel V professioneller. Europäische Chassis-Hersteller wie Kaimann oder Fuchs setzten neue Standards, die Autos wurden immer schneller. 1973 knackten die 1300er-Motoren erstmals die 100-PS-Marke. Bereits zwei Jahre zuvor war die Formel Super V entstanden. Der dort zunächst eingesetzte 1,6-Liter-Boxer aus dem VW Typ 4 leistete rund 150 PS. 1978 markierte der wassergekühlte 1600er aus den Baureihen Passat/Golf/Scirocco mit bis zu 180 PS das Ende der Fahnenstange. 1982 war Schluss mit der Erfolgsgeschichte Formel V.

„Alleine nur für die Formel V müsste man Huschke von Hanstein ein Denkmal setzen“, betont Rainer Braun. „Alle späteren Monoposto-Einheitsklassen wie Formel Ford, Formel Renault, Formel König bauten auf diesem Erfolgsrezept auf. Für Volkswagen war es die Initialzündung für die späteren großen und erfolgreichen Motorsport-Programme. Und wer damals im Motorsport etwas werden wollte, musste durch die Formel V. Von dort ging’s in die Formel 3, Formel 2 und Formel 1. Das war der Weg.“

Neun Rennserien mit an die 500 Rennwagen bei familiendreundlichen Tickerts // Foto: Hockenheim-Ring GmbH

500 Rennwagen, neun verschiedene Rennserien, günstige Tickets

Heute zählt die Formel V zu den Legenden der Motorsport-Historie. Mit viel Leidenschaft gepflegt von der Vereinigung „Historische Formel Vau Europa“, die auch beim Jim Clark Revival mit einem großen Feld liebevoll erhaltener Formel-V-Renner verschiedener Baustufen aufwartet. Und natürlich erwartet die Besucher der ADAC Hockenheim Historic viel mehr – insgesamt rund 500 traumhafte Rennwagen aus neun Rennserien sind dabei. Ob „Tourenwagen – Golden Ära“, DRM-Revival, Historic Racecar Association, Lurani Trophy, Raceclub Germany, MOMO Sportscar Supercup, BOSS GP, Lotus Cup Europa oder eben die Formel V – der Hockenheimring Baden-Württemberg ist am ersten Mai-Wochenende ein echtes Paradies für Classic-Racefans.

Zumal die Eintrittspreise wie immer familienfreundlich ausfallen. Ein Tagesticket für den Freitag gibt’s für 15 Euro, Karten für Samstag und Sonntag kosten 35 respektive 30 Euro, das Wochenend-Ticket 49 Euro – alles natürlich inklusive Fahrerlager. Rollstuhlfahrer und Kinder bis 14 Jahre haben kostenlosen Zutritt. Tickets und weitere Infos gibt’s unter: www.hockenheim-historic.de

Besonders interessant: Aus Stuttgart haben Besucher am Samstag, den 4. Mai, und Sonntag, den 5. Mai, die Möglichkeit, kostenlos mit einem historischen Auwärter Neoplan ND 6 aus dem Jahr 1974 anzureisen. Hierfür müssen sich Interessierte über die ADAC-Pendlernetz-App anmelden.

Alle Infos unter: www.adac.de/veranstaltungen/ver-hockenheim-historic