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Langstreckenmeisterschaft Nürburgring - 51. ADAC ACAS H&R-Cup
Mit Feuer die Klasse gewonnen
Erneut startete Dörr Motorsport mit zwei Fahrzeugen in der BF-Goodrich Langstreckenmeisterschaft am vergangenen Wochenende. Diesmal hat alles „so gut wie“ gepasst und am Ende sprang der zweite Klassensieg der Saison heraus! Mit Startplatz eins in der Klasse SP6 konnte 
sich das Team Dörr Motorsport nach dem Zeittraining zum dritten Lauf der BF-Goodrich Langstreckenmeisterschaft noch anfreunden. 
 © BR-Foto
 Souveräner Sieg in der Klasse SP6
Mit Startplatz 23 in der Gesamtwertung war keiner so recht zufrieden. Grund dafür, dass es nicht weiter nach vorne ging, war ein Ausrutscher von Luca Ludwig im Zeittraining. Marco Schelp ging als erster Fahrer auf dem schnellen BMW Z4 Coupé ins Training und kam bis auf wenige Ausnahmen gut mit dem Boliden zurecht. Nach zwei Runden war die Reihe an Luca Ludwig, der eine Schrecksekunde erlebte: Im Streckenabschnitt Pflanzgarten verbremste er sich und rutschte ins Kiesbett, wodurch das Auto seine Heckschürze und den Diffuser verlor. Zu allem Überfluss steckte Ludwig im Kiesbett fest und musste von der Streckensicherung auf den Asphalt gezogen werden.

Ludwig erreichte in langsamer Fahrt die Box und übergab den Wagen samt Schäden an Rudi Adams, der ohne die wichtigen Aerodynamikkomponenten ins Training startete. Trotz der Beschädigungen fuhr Adams mit 8:45 Minuten die schnellste Trainingsrunde, die letztendlich für Startplatz 23 reichte. Nach dem Training spielten die Mechaniker ihr gesamtes Können aus und reparierten das Coupé. Unterstützung erhielten sie dabei vom Streckenposten im Pflanzgarten: Die Mannschaft des Postens zog den Diffuser aus dem Kiesbett, rief beim Team an und so konnte das wichtige Bauteil abgeholt und in der Box von den Mechaniker wieder montiert werden. Damit entsprach die ursprüngliche Stromlinienförmigkeit fast gänzlich dem originalen Zustand. Dem darauf folgenden 4h-Rennen stand nichts im Wege, und in der Reihenfolge Marco Schelp, Luca Ludwig und Rudi Adams nahm das Trio das Rennen auf.

Pünktlich um 12 Uhr überquerte das BMW Z4 Coupé mit Marco Schelp hinterm Volant erstmalig die Start-Ziellinie. Mit niedrigen 9er-Zeiten, sogar zwei Zeiten deutlich unter acht Minuten, fuhr Schelp wie entfesselt durchs Feld, brachte das Coupé bis auf Rang 14 nach vorne. Dabei profitierte er auch von den frühen Boxenstopps und von zahlreichen Ausfällen der Wettbewerber. In seinem Stint fuhr er knapp fünf Minuten Vorsprung auf den Zweitplazierten raus. Der Dienst von Schelp endete in Runde neun, er übergab den Boliden an Luca Ludwig, der ebenfalls kontinuierlich gute Rundenzeiten ablieferte. Der Junior hatte wieder nicht wirklich viel Glück: In seinen neun Runden hatte er nur in zweien einigermaßen freie Fahrt, was die Zeiten in die Höhe trieb. Trotz aller Unwegsamkeiten schaffte es Ludwig, das Auto noch weiter nach vorn zu bringen und den Abstand zum zweiten Platz auf mehr als eine Runde auszubauen.

In Runde 18 fuhr Ludwig planmäßig an die Box, um das Z4 Coupé an Rudi Adams zu übergeben. Während die Fahrer wechselten und die Mechaniker die Räder wechselten, passierte es: Die Kraftstoffdämpfe entzündeten sich am heißen Fahrzeug und begannen zu brennen. Schnell reagierte der Mann am Feuerlöscher und konnte so schlimmeres verhindern. Der unterbrochene Tankvorgang musste unter größten Sicherheitsvorkehrungen fortgesetzt werden, die Mechaniker kontrollierten anschließend den Wagen, was das Team viele Plätze kostete. Im Gesamtklassement nach hinten durchgereicht, griff Rudi Adams ins Renngeschehen ein. Um Schadensbegrenzung bemüht, fuhr er sich die sprichwörtliche Seele aus dem Leib und beendete keine Runde über neun Minuten. Mit 8:46 markierte er die Bestzeit im Rennen für Dörr Motorsport. In seiner letzten Runde musste Adams erneut an die Box: Er bekam etwa zehn Liter Sprit nachgefüllt, damit er nicht vor der Ziellinie liegen blieb. Am Ende reichten alle Anstrengungen für den Klassensieg in der Klasse SP6 und für einen 16. Platz in der Gesamtwertung.

Diesel rollt und rollt

Erneut im Einsatz beim letzten Lauf: der Diesel von Dörr Motorsport. Allerdings lediglich als Ersatz: 24h-Fahrer Christian Wack wollte vor dem Mega-Event ein trockenes Rennen in seinem Einsatzauto, dem Phantom, fahren. Am 24h-Klassensieger von 2007 wurde jedoch noch gearbeitet und so nahm Wack mit dem Diesel vorlieb. Unterstützt wurde er von Werner Cleef, einem Nordschleifen erfahrenen Senior. Während Startfahrer Wack im Adenauer Forst durch ein direkt vor ihm verunfalltes Fahrzeug hart bremsen musste und dabei von hinten einen Rammstoß erhielt, lief das Rennen für Cleef recht ereignislos. In typischer Dieselmanier spulte er seine Runden ab – gerade so, als ob es die vielen Unfälle der anderen Teilnehmer nicht gab. Die stoische Ruhe zahlte sich aus: Am Ende standen Wack und Cleef auf dem vierten Rang der Klasse VD1T. Cleef drehte allein am Samstag 13 Runden im Diesel, was ein Beleg für die leichte Fahrbarkeit des Autos war. Den Selbstzünder werden die Fans beim 24h-Rennen erneut sehen – allerdings mit anderer Fahrerbesetzung. 

BR-Foto

Völlig problemlos und unbeirrt drehten Christian Wack und Werner Cleef ihre Runden.

Stimmen nach dem Rennen

Rainer Dörr, Teamchef:
„Ausrutscher gehören zum Motorsport wie Siege! Luca ist aufgrund eines winzigen Fahrfehlers ausgerutscht – bei diesen Geschwindigkeiten genügt schon die kleinste Unkonzentriertheit und man landet neben der Piste. Wir hatten Glück im Unglück und den Streckenposten war es zu verdanken, dass wir am Rennen teilnehmen konnten. Die Mechaniker haben wieder ganze Arbeit geleistet, da gibt es nichts zu mäkeln. Auch die Fahrer haben im Rennen ihr gesamtes Potential ausgespielt. Auf das durch die Unfallfolgen geänderte Fahrverhalten haben sich alle drei Fahrer schnell eingestellt. Der Klassensieg geht diesmal auch an die Besatzung vom Streckenposten Pflanzgarten! Und: Pirelli hat uns einen sagenhaften Reifen geliefert, der allen Situationen gewachsen war. Der Diesel rollt halt immer durch. Beim letzten Training war es ein Radlager, das streikte, worauf die Antriebswelle abscherte. Vorm 24h-Rennen werden aber alle Autos komplett überarbeitet, um solche Fehler zu vermeiden.“

Rudi Adams, Fahrer:
„Der Motor lieferte extrem viel Speed, nur dass mir das im Training nichts nutzte. Durch die fehlenden Teile konnte ich nicht angreifen und musste meine Pflichtrunden „abrollen“. Im Rennen lief es dann wieder problemlos, bis auf die Tatsache, dass der Wagen kurz brannte und wir infolge dessen viele Plätze verloren. Mit dem Klassensieg bin ich zufrieden, mit dem Gesamtergebnis nicht. Hätten wir das Tankproblem nicht gehabt, wäre ein Top-Ten-Platz nahezu sicher gewesen. Jetzt konzentriere ich mich auf das 24h-Rennnen.“

Luca Ludwig, Fahrer
„Das Auto ist gut fahrbar, obgleich noch nicht alle Probleme aussortiert sind. Der Ausrutscher im Training war tatsächlich mein Fehler. Das kann eben passieren, auch wenn es ärgerlich ist. Wer jedoch am Limit fährt, fährt auch an der Grenze zum Abflug. Das Rennen hat richtig Spaß gemacht. Ich konnte auf die vor mir fahrende Corvette Runde um Runde Meter gut machen und diese sogar überholen. Das zeigt deutlich, welches Potential der Wagen hat. Zum Schluss begann das Auto über die Vorderräder zu rutschen – aber völlig kalkulierbar. Ich freue mich auf das 24h-Rennen.“

Marco Schelp, Fahrer
„Ich bin zuerst raus gefahren, sowohl im Training als auch im Rennen. Im Training war die Strecke während meiner Runden nahezu komplett ohne Grip. Ich bin viel über die Hinterachse gerutscht. Im Rennen habe ich es richtig krachen lassen, mit viel Spaß und wenig Anstrengung. Ich habe mich aus dem ersten Gemetzel raus gehalten und bin dann voll auf Angriff gefahren. Die Rechnung ist aufgegangen: Von Platz 23 auf 14 vorgefahren, das hat man nicht alle Tage. Das 24h-Rennen werde ich auf meinem Auto fahren und wünsche Dörr Motorsport schon jetzt gutes Gelingen. Zum Schluss muss ich mich noch beim Team Dörr Motorsport, den Fans und den „Offiziellen“ für mein Fernbleiben bei der Siegerehrung entschuldigen. Aber aus familiären Gründen musste ich dringend nach Hause – und bis Berlin ist es halt ’ne Ecke! “

Christian Wack, Fahrer
„Diesel fahren ist eben anders: An gewohnten Punkten angebremst und schon hat man den ganzen Schwung verloren. Dann merkst du, dass man mit dem Diesel einfach rollen kann und gute Zeiten fährt. Der Unfall war völlig unnötig und wäre vermeidbar gewesen. Er ist aber passiert, Gott sei Dank mit nur geringem Schaden. Ich bin schon jetzt auf das Phantom beim 24h-Rennen gespannt.“

Werner Cleef, Fahrer:
„Diesel fahren ist schon fast entspannend: Man dreht seine Runden ohne Hektik, hält sich aus allem raus und am Ende landet man auf Platz vier. Ich bin mit dem Material und meiner Leistung zufrieden.“
Redaktionsbüro Meuren

Artikel vom 08.05.2009

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