VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring mit Dörr Motorsport
Große Namen werfen schnelle Schatten voraus
Noch schweigen die Motoren von Dörr Motorsport, aber in wenigen Wochen ist die Win terpause auch für den hes- sischen Rennstall beendet. Wenn am 4. April das Team zum ersten Rennen der Saison im Rahmen der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft ausrückt, greift es auf Bewähr tes zurück und gönnt sich ein paar Neuerungen. Erst am Donnerstagabend stand der BMW frisch beklebt und renn- fertig in
Barweiler.
Das Z4 Coupé - die Speerspitze des hessischen Rennstalls
Noch vor einigen Wochen waren sich die Teamchefs von Dörr Motorsport, Jörg Ullmann und Rainer Dörr über die Fahrerbesetzung für die ausstehende Saison unschlüssig. Zahllose Gespräche hatten beide mit potentiellen Kandidaten zu führen, ehe letztendlich die Würfel fielen.
„Im Z4 Coupé wird neben unseren Stammpiloten Rudi Adams und Marco Schelp zum ersten Mal Luca Ludwig um die Krone der Klasse SP6 kämpfen. Das Trio bestreitet, so unser Plan, alle Läufe der Langstreckenmeisterschaft sowie das 24h-Rennen“, erklären beide Teamchefs. Und
weiter: „Auch wenn Luca Ludwig ein großer Name vorauseilt – unsere Erwartungen an ihn sind erfüllbar, wir werden ihn keinem großen internen Druck aussetzen.“
Alle im Team wissen: Luca Ludwig befindet sich noch in seiner Motorsport-Lehre. Der 20-jährige Jura-Student bestreitet bei Dörr seine erste komplette Rennsaison, erste Rennluft schnupperte er im vergangenen Jahr im Oktober als er mit seinem schnellen Vater gemeinsam sein erstes Langstreckenrennen über die Bühne brachte. „Das Rennen hat mir richtig Auftrieb gegeben: Zum ersten Mal im Rennauto, zum ersten Mal auf der Nordschleife und sofort einen Klassensieg eingefahren. Damit setze ich meine eigenen Erwartungen viel höher als es Außenstehende tun“, so die realistische Selbsteinschätzung von Luca Ludwig. Er weiß auch ohne direkten Vergleich, dass seine ersten Rundenzeiten hinter denen von Marco Schelp und Rudi „Mr. Nordschleife“ Adams liegen. Dennoch gibt er sich optimistisch und glaubt schon bald Anschluss an beide zu finden.
„Ich habe vor allem wenig Erfahrung im Umgang mit den Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen unserem Auto und den schwächer motorisierten Fahrzeugen. Dafür muss ich noch ein Gespür entwickeln. Fakt jedoch ist, dass ich ein gewisses Maß an Talent mitbringe und das ist bekanntermaßen auch nicht durch hartes stundenlanges Training zu ersetzen – anders als bei Golf, Tennis oder Laufsport“, so der Rennfahrer, der langsam aus dem Schatten seines schnellen Vaters tritt. Dass er fahren kann, stellte er letztes Jahr unter Beweis: Erste Testfahrten mit dem Z4 Coupé liefen tadellos und viel versprechend, die Rundenzeiten des jungen Ludwig waren nur geringfügig langsamer als die des Seniors. „Es ist aber auch das Auto, das eine schnelle Fahrt zulässt. Der Wagen ist extrem einfach zu fahren – das Team stellt uns ein echt gutes Auto zur Verfügung. Damit sind zweifelsfrei Klassensiege und Top-Ten- Platzierungen möglich“, so Luca Ludwig im Gespräch. Eines steht dabei fest: Luca Ludwig wird bei jedem Rennen unter den Argusaugen seines Vaters die Nordschleife umrunden – selbstverständlich wird er dabei auch von den Fans streng unter die Lupe genommen.
privat
Luca Ludwig, Sohn des Ex-DTM Fahrers Klaus Ludwig greift heuer ins Volant des Z4 Coupé von Dörr Motorsport
Phantom am Start – Diesel auch!
Neben dem Z4 Coupé schickt Dörr Motorsport das bekannte und schnelle „Phantom“ in die Rennen der Langstreckenmeisterschaft. Dabei werden im Team altbekannte Namen gehandelt, aber auch neue Fahrer stehen im Gespräch mit Dörr und Ullmann. „Noch ist nicht ganz geklärt, welche Fahrer das Phantom pilotieren. Auch ist noch nicht klar, ob wir das Auto schon zum ersten Rennen an den Start schicken. Sicher ist hingegen, dass wir mit der Besetzung des 24h-Rennen mindestens zwei Läufe der Langstreckenmeisterschaft bestreiten“, so Rainer Dörr zum Fahrer-Karussell der ausstehenden Saison. Wer immer das Phantom steuert, angetreten wird erneut in der Klasse SP5. Über die Winterpause haben die Mechaniker von Dörr Motorsport das Phantom weiterentwickelt. Jörg Ullmann, Technik-Chef: „Wir haben beispielsweise die Bremsanlage geändert, so dass der Fahrer die Leistung der Bremse in Abhängigkeit zum
Streckenverhältnis einstellen kann. Im Bereich Fahrwerk und Karosserie gibt es ebenfalls zahlreiche Änderungen, die den Rundenzeiten zu Gute kommen sollten.“
Dörr Motorsport verzichtet auf den Einsatz des Serien BMW130i in der Klasse SP5 und bringt stattdessen den BMW120d wieder ins Renngeschehen ein. Das Vater-Sohn-Gespann Rolf und Robert Wittke pilotieren mindestens die ersten drei Langstreckenläufe den Wagen. „Rolf Wittke ist schon längere Zeit in der VLN zuhause, der Junior will erste Erfahrungen sammeln. Die beiden werden, vielleicht unterstützt durch einen dritten Fahrer, die ersten drei Rennen auf dem Diesel fahren. Danach entscheiden sie sich zwischen einem stärkeren Auto aus unserem Hause oder den Rest der Saison mit dem Selbstzünder über die Nordschleife zu fahren“, so die Teamchefs zur weiteren Fahrerbesetzung.
Beim 24h-Rennen hat Dörr Motorsport alle Hände voll zu tun: Insgesamt fünf Autos gehen unter der Flagge des hessischen Rennstalls beim Rennen zweimal rund um die Uhr an den Start. Neben der Speerspitze, dem Z4 Coupé, dürfen sich die Fans auf das Phantom, den BMW120d und zwei spezielle BMW135i freuen. Die beiden letzt genannten sind Rennfahrzeuge, die Pirelli einsetzt und von ausgewählten Journalisten pilotieren lässt. „Dabei handelt es sich“, so Technik-Teamchef Jörg Ullmann, „um Rennautos mit Straßenzulassung, die mit wenigen Handgriffen auf Straßenbetrieb umrüstbar sind. Die Pirelli Autos werden in der Klasse SP8T an
den Start gehen.“
Gute Neuigkeiten kann Dörr Motorsport auch in Sachen Sponsoring vermelden. „Nach wie vor arbeiten wir hauptsächlich mit Pirelli zusammen. Der Reifenhersteller wird uns auch in diesem Jahr mit Material, Personal und know-How zur Seite stehen. Dabei profitieren beide Seiten von den Erfahrungen auch mit Reifen der Vorserie. Weiter an unserer Seite stehen wie im vergangenen Jahr die Unternehmen CSP, Victoria Versicherungen, Karl Kaufmann, Top Autoteile, Aramark, Castrol, Oki und das Redaktionsbüro Meuren. Neu gewinnen konnten wir den Bekleidungslieferanten Dakota.“