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Ein besonderes Auto beim 36. ADAC Zürich 24h-Rennen
Heinz Harald Frentzen mit einem Hybridprojekt
Mit dem HHF Hybrid Concept Car auf Basis eines Apollo wird ein ganz besonderes Auto beim 36. ADAC Zurich 24h Rennen teilnehmen. Die Fahrer Heinz-Harald Frentzen und Dirk Müller tragen dazu bei, dass das Team als Publi- kumsmagnet fungieren wird. Nach 156 Formel 1 GPs und drei F1 Grand-Prix Siegen wagt Heinz-Harald Frentzen nun ein neues Abenteuer. Der 41-Jährige ist Initiator, Finanzier und auch Fahrer 
 © Hybrid Racing AG
 Heinz Harald Frentzen und Dirk Müller mit Schritt in die Zukunft ? 

dieses innovativen Konzepts: „Ich habe jetzt die Herausforderung angenommen, die Hybrid-Technik auf dem Nürburgring zu fahren, nicht nur weil die Strecke Spaß macht, sondern weil es etwas Neues ist. Damit möchte ich umweltfreundlichen Motorsport zum Nürburgring bringen“, freut sich der Mönchengladbacher. Ursprung dieses Projekts war genau dieser Gedanke: Einen Rennwagen bauen, der sowohl Power unter der Haube hat, gleichzeitig aber auch die Umwelt schont. Also machte - der mittlerweile in Monaco lebende - Frentzen sich auf die Suche nach einer entsprechenden Technologie, die diese beiden Aspekte miteinander verbindet. Geplant war ursprünglich der Bau eines komplett neuen Rennwagens. Aus Kostengründen hielt man dann aber Ausschau nach einem bereits existierenden Super-Sportwagen.

Innovation aus Thüringen
Die Lösung fand der ehemalige DTM Pilot schließlich in dem von Norbert Kreyer entwickelten Apollo. Dieser wird im thüringischen Altenburg gebaut und bringt Einiges an Leistung mit: „Wir haben von der Basis her schon ca. 550 PS, wie ein normales Rennauto auch. Zusätzlich haben wir noch die Hybrid-Technologie, das heißt bei jedem Bremsvorgang können wir zusätzliche Energie zurückgewinnen und Batterien aufladen und die gleiche Energie, die wir speichern können, bei jeder Beschleunigung wieder abgeben. Das heißt dass wir kurzfristig beim Beschleunigen ca. 130 PS zusätzlich haben, also bis zu 680 PS beim Beschleunigen und die dann auch auf der Geraden abrufen können. Das ist die Idee bei diesem Hybrid: die Effizienz zu steigern.“ Die nächste Hürde, die das Team nun nehmen muss, ist die Ausdauerfähigkeit des Apollos zu gewährleisten.

„Ich bin das letzte mal vor 20 Jahren hier gefahren“
Weil die gesamte Entwicklung sehr kurzfristig begann, blieb bisher allerdings nur wenig Zeit zum Testen: „Die Tests waren OK. Es ist nicht ganz perfekt gelaufen, aber die elektrische Einheit hat funktioniert und die Motoreneinheit auch. Wir haben nur so ein paar Kleinigkeiten, die wir noch aussortieren müssen aber im Grunde genommen haben wir einen sehr guten, positiven Test gehabt“, gibt sich Frentzen optimistisch. Auf der Nordschleife wurde das Concept Car erstmals am Samstag, eine Woche vor dem Rennen, gesehen. Dies wurde auch höchste Zeit, denn sowohl der Rennwagen, als auch die Piloten haben noch Nachholbedarf auf der traditionellen Eifelstrecke: „Ich bin das letzte Mal vor 20 Jahren hier gefahren“, betont Frentzen. Als Partner steht ihm Dirk Müller zur Seite. Der 32-Jährige konnte 2004 schon einmal das härteste Rennen auf einem BMW M3 GTR gewinnen. Ein bis zwei weitere Fahrer sollen noch dazu kommen.

Extra Klasse
Aufgrund der Besonderheit des gesamten Projekts war es nicht einfach eine passende Veranstaltung zu finden, die diese Innovation unterstützt. Fündig wurde das Team schließlich bei den Organisatoren des 24h-Rennens: „Es gibt keinen anderen bedeutenden Veranstalter, der die Möglichkeit gibt alternative, konzeptionelle neue Antriebstechniken im Rennen einzusetzen wie der ADAC Nordrhein, der uns da sehr viel geholfen hat, das Auto zuzulassen“, freut sich der ehemalige Sauber-Pilot. Antreten wird man nun in der extra geschaffenen Klasse E1-XP. Im erster Linie will das Team durch das Engagements natürlich auf die Hybrid-Technologie aufmerksam machen und damit die Akzeptanz von umweltfreundlichen Konzepten voranzutreiben. Trotzdem fährt der Renner nicht nur zum Spass mit: „Wir wollen schon Akzente setzen und auf jeden Fall zügig mit dabei sein.“, geht HHF motiviert in das Rennen.

Im Gespräch: Heinz-Harald Frentzen
Ex-Formel-1- und DTM-Star Heinz-Harald Frentzen gehört zu den Überraschungen in der Starterliste des 36. ADAC Zurich 24h-Rennens. Der 41-jährige Mönchengladbacher bringt gemeinsam mit GT-Profi Dirk Müller einen Apollo-Rennwagen mit Hybrid-Antrieb an den Start. Nach zehn Jahren in der Formel 1 (157 Rennen, 3 Siege, 18 Podiumsplatzierungen), drei Jahren in der DTM (Opel und Audi) und einem Jahr Rennpause nimmt er damit eine neue Herausforderung an, die ihn auf ein Territorium führt, das er lange nicht betreten hat: Sein erster und bislang einziger Start beim ADAC Zurich 24h-Rennen datiert aus dem Jahr 1988.
Sie sind in Ihrer Karriere in Top-Klassen wie Sportwagen-WM, Formel 1 und DTM gefahren
– was reizt da noch am 24h-Rennen?

Heinz-Harald Frentzen: „Eine Rennstrecke wie die Nordschleife ist einmalig auf der Welt.
Dort zu fahren macht einfach Spaß. Jetzt geht es mir aber nicht allein um den Spaß. Ich möchte
vielmehr zeigen, dass Motorsport und Umweltbewusstsein durchaus zusammen passen, denn
ich bin der Meinung, dass unser Sport gut daran täte, sich in diese Richtung zu entwickeln. Ein
so langes und schweres Rennen mit einem Hybrid-Antrieb zu bestreiten, wird helfen, diese
Technik voranzubringen.“
Sie sind beim ADAC Zurich 24h-Rennen kein völliger Neuling – bereits zu Beginn ihrer
Karriere waren Sie im Jahr 1988 am Start. Schließt sich mit dem Rennen 2008 ein Kreis oder ist das Hybrid-Rennwagen-Projekt der Beginn des nächsten Karriereabschnitts?

Heinz-Harald Frentzen: „Ich habe mich schon immer für technische Zusammenhänge interessiert. Nach der DTM-Saison 2006 hatte ich endlich Zeit, mich intensiv mit der Hybrid-Technik zu beschäftigen. Daraus entstand der Gedanke, die Möglichkeiten, die diese Technik bietet, im Rennsport umzusetzen. Als einen nächsten Karriereabschnitt würde ich das nicht bezeichnen, aber ich werde auch nach dem 24h-Rennen an diesem Thema dranbleiben.“
Sie engagieren sich in Ihrem Team nicht nur als Fahrer. Wie sieht die Rollenverteilung
aus – welche Köpfe verbergen sich hinter dem Projekt?

Heinz-Harald Frentzen: „Zum ersten Mal setze ich mich nicht in ein Rennauto, das im
Wesentlichen von anderen erdacht und verwirklicht wurde. Bei diesem Projekt habe ich von
Beginn an eine maßgebliche Rolle gespielt. Natürlich geht so etwas nicht ohne die Mithilfe und
das Know-how einer ganzen Reihe engagierter Mitstreiter und Partner. Auch wenn es sicherlich
ungerecht ist, jetzt nur einen von ihnen zu nennen: Die technischen Fäden laufen bei Norbert
Kreyer zusammen, der über sehr viel motorsportliche Erfahrung verfügt.“
Warum fiel Ihre Wahl auf das ADAC Zurich 24h-Rennen, um das neue Projekt an die
Öffentlichkeit zu bringen?

Heinz-Harald Frentzen: „Es gibt kaum ein anderes bedeutendes Rennen, dessen Veranstalter
bereit ist, neuen und alternativen Konzepten den Weg zu ebnen. Dafür bin ich dem ADAC
Nordrhein sehr dankbar.“
Hybrid-Antrieb im Rennsport steckt noch in den Kinderschuhen. Welche Eigenheiten
und welche Chancen verstecken sich in dieser Technologie?

Heinz-Harald Frentzen: „Wer Rennen gefahren ist, weiß, wie viel Energie in jeder Runde beim
Bremsen im wahrsten Sinn des Wortes auf der Strecke bleibt. In einem ersten Schritt diese
Energie zu speichern, um sie dann wieder für die Beschleunigung einzusetzen, reduziert den
Schadstoffausstoß, macht aber auch unter Leistungsgesichtspunkten Sinn. Mit der rasant voranschreitenden
Entwicklung bei Batterien und Elektromotoren ist der heutige Stand der Technik
nur eine Momentaufnahme.“
Mit welchen Zielen treten Sie beim 24h-Rennen an? Gibt es schon Pläne, wie es danach weitergeht?
Heinz-Harald Frentzen: „Weil die Vorbereitungszeit für uns doch sehr knapp ist, sehen wir
uns nicht in einer Favoritenrolle. Wenn es uns gelingen sollte, am Sonntagnachmittag das Ziel zu erreichen, wären wir schon zufrieden. Anschließend möchten wir, auf den gemachten Erfahrungen aufbauend, unser Konzept weiterentwickeln.“
Presse 24-h Rennen

Technische Daten HHF Hybrid Concept Car

Motoren:
Hinterachse: V8-Zylinder-Biturbomotor mit 90°-Zylinderwinkel, Hubraum: 3.292 cm³, 5 Ventile pro Zylinder, 4 obenliegende Nockenwellen, zweiflutige Abgasanlage mit Katalysator, Rennsport- Trockensumpfschmierung
Nennleistung: 382 kW / 520 PS bei 7.000 U/min
max. Drehmoment: 580 Nm bei 4.000 U/min

Vorderachse: Elektrohybrid-Synchron-Motor
Nennleistung: 100 kW / 136 PS
max. Drehmoment: 220 Nm

Kraftübertragung:

Hinterachse: vollsynchronisiertes, sequentielles Sechsgang-Getriebe,
Vorderachse: selbstsperrendes Differenzial

Fahrwerk:

Doppelquerlenker an Vorder- und Hinterachse, in Zug und Druck voll einstellbare Feder-/Dämpfereinheiten über Pushrods angelenkt, Querstabilisatoren an beiden Achsen

Räder und Reifen:

vorne: 30/65x18 / hinten: 31/75x18

Sonstiges:

Leergewicht (trocken): 1.300 kg (Reglement)
Länge: 4.460 mm
Breite: 1.998 mm
Höhe: 1.114 mm (ohne Lufteinlass)
Radstand: 2.700 mm
Tankinhalt: 120 Liter
Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h (je nach Übersetzung)

Hybrid Racing AG

 
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Artikel vom 21.05..2008

   
   

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