Klüber/Heyer und Lauer/Lopez siegen in Oschersleben

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Uwe Lauer (Ferrari 488 GT3) als Führender zum Wechsel // Foto: Jürgen Holzer

Erstmals gingen die Gesamtsiege in der Spezial Tourenwagen Trophy an zwei Fahrer-Duos. Das erste Rennen in Oschersleben gewannen Josef Klüber und Kenneth Heyer (Mercedes AMG GT3). Im zweiten Heat am Sonntag feierten Uwe Lauer und Francesco Lopez (Ferrari 488 GT3) ihren zweiten Saisonsieg.

Schwierige Streckenbedingungen und enge Entscheidungen prägten den vierten Saisonlauf der Spezial Tourenwagen Trophy. Vor allem das erste Rennen war ein Spielball der Wassermassen, die gegen Mitte des Rennens vom Himmel fielen. Als der Gesamtführende Kenneth Heyer mit seinem Mercedes AMG GT3 von der Strecke ins Kiesbett rutschte, entschied sich die Rennleitung zum vorzeitigen Abbruch. Glück für Heyer, der sich den AMG GT3 mit Josef Klüber teilte. Denn so durfte sich das Duo über seinen ersten gemeinsamen Sieg in der Spezial Tourenwagen Trophy freuen. „Es war schon sehr schwierig mit dem vielen Wasser auf der Strecke. Ich habe immer geschaut, wo was wie geht. Es war schon sehr grenzwertig“, so Heyer.

Gesamtsieg und Platz zwei für Klüber/Heyer in Oschersleben // Foto: Jürgen Holzer

Teamkollege Josef Klüber hatte das Start-Duell gegen Henk Thuis (Pumaxs RT) gewonnen, fiel aber nach der dritten Runde hinter Thuis und Lauer zurück. Der AMG Mercedes musste in der Penalty-Zone sein Tempo reduzieren. Etwas, das Klüber nicht nachvollzeihen konnte: „Ich wusste nicht, was ich falsch gemacht hatte. Dann stellte sich heraus, dass wir das Auto eine Sekunde zu spät runtergelassen haben. War schon kleinlich. Am Ende dann doch noch ein Happy End.“ Es entwickelte sich ein enger Dreikampf. Lauer wagte immer wieder die Attacke. Mehrmals wechselte die Führung, die der Ferrari Pilot bis zum Wechsel verteidigte. Und noch einer war plötzlich dran. Mit dem immer stärker werdenden Regen hatte sich Tim Rölleke im WS Racing BMW M4 GT4 herangearbeitet. Während die drei Division 1-Boliden an die Box kamen, blieb Rölleke draußen und übernahm damit Rang eins. Während der 22jährige M4-Pilot weiter seine Runden drehte, war Heyer beim Stopp einen Hauch früher auf der Piste als Francesco Lopez. Der erfahrene GT-Spezialist hatte für Lauer den Ferrari übernommen. Doch Lopez kassierte Heyer wieder ein. Thuis konnte die beiden Profis nicht halten und ließ sie ziehen. Als Rölleke an die Box kam, ging es um die Gesamtführung. Rund 14 Minuten vor Ende setzte sich wieder Heyer an die Spitze, wobei der Mercedes-Pilot den Vorsprung weiter ausbaute. Fünf Minuten später strandete Heyer in der Schikane im Kies. Sofort gingen die Roten Flaggen raus.

„Wir hatten ein kleines Problem mit der Stoppuhr und sind statt auf eins auf Platz drei rausgefahren. Den Rückstand konnte ich aber nach zwei Runden aufholen und überholen. Da setzte der Regen nochmals so richtig ein. Wir hatten ein kleines Problem mit den Regenreifen, weil wir uns für den Typ für wenig Regen entschieden hatten. Dann war es wirklich nur überleben. Wir hätten das Rennen heute gerne zu Ende gefahren, weil auch Uwe heute eine sehr starke Vorstellung gegeben hat“, erzählte Francesco Lopez. Rang drei holte sich Henk Thuis: „Der Anfang war schon sehr gut. Das Auto lief perfekt. Als dann der große Regen kam, wurde es sehr schwer. Da habe ich versucht den Platz auf dem Podium ins Ziel zu bringen. Bei den Bedingungen muss man froh sein, dass man das Auto heil ins Ziel bringt.“

Das Podium Division 1 nach dem ersten Rennen (Lopez/Lauer, Klüber/Heyer und Henk Thuis v.l.n.r.) // Foto: Jürgen Holzer

Lopez/Lauer drehen den Spieß um
Unverändert schwierig waren die Bedingungen am Sonntag. Diesmal mit dem besseren Ende für Uwe Lauer und Francesco Lopez. Dabei lagen die Gesamtsieger gerade mal zwei Runden in Führung. Aber es sollten die entscheidenden sein. „Nach zwei Runden war ich an Kenneth dran. In Oschersleben, besonders wenn es nass ist, ist wenig Platz um bei GT3 Autos vorbei zu kommen. Ich habe mich einmal direkt daneben gesetzt. Ich denke, wir haben uns auch auf der Bremse berührt, weil einfach der Platz ausgegangen ist. Am Ende habe ich Kenneth gehetzt mit einem angetäuschten Manöver in einen Fahrfehler gezwungen. Und es hat funktioniert. Mit dem Sieg sind wir heute richtig happy“, fasste Lopez die letzten Runden zusammen.

Francesco Lopez vollendete Lauers klasse Vorstellung und holte den Gesamtsieg für Biermacher Racing // Foto: Jürgen Holzer

Beim Start hatte Teamkollege Uwe Lauer noch den ersten Platz gegen Josef Klüber eingebüßt. Der Ferrari-Pilot musste sich gegen Thuis zur Wehr setzte. Im engen Zweikampf drückte Thuis den Ferrari ins Kiesbett, woraufhin der Niederländer in die Penalty Zone musste. Davor ging er aber noch an Klüber vorbei, der von seiner Boxencrew die drohende Strafe angesagt bekam. „Ich habe ihn vorbeigelassen, konnte aber auch das Tempo von ihm nicht ganz halten. Er war heute sehr flott unterwegs. Mit meinen Reifen hatte ich keinen Grip, weil ich keine richtige Temperatur bekommen habe. Am Anfang hat es noch funktioniert“, schilderte Klüber die Szene. Bis zum Boxenhalt blieb Thuis an der Spitze, während sowohl Klüber als auch Lauer früh reinkamen. Letzterer hatte nach dem unverschuldeten Ausritt ins Kiesbett wieder den Anschluss gefunden. Danach wiederholte sich das Spielchen aus Rennen eins. Wiederum konnte Thuis die beiden GT-Asse nicht halten. Als Heyer 1.30 Minute vor Ende wegrutschte, war das Rennen gelaufen. „In der vorletzten Runde musste ich von der Ideallinie runter und da war es halt rutschig. Das reichte, dass Francesco vorbeikommen konnte“, so Heyer. Rang drei holte wiederum Henk Thuis.

Angriff von Max Gruhn (Audi RS3 LMS TCR) auf Tim Rölleke (BMW M4 GT4) // Foto: Jürgen Holzer

Victoria Froß siegt erstmals in der Division 2
Zwar schnupperte Tim Rölleke im ersten Rennen Führungsluft, am Ende reichte es aber nur zu Platz drei. Max F. Gruhn (Audi RS3 LMS TCR) übernahm durch den Pflichtstopp des M4-Piloten die Führung in der Division 2. Souverän brachte der 23jährige den Sieg über die Zeit. Als starker Gesamtvierter sah Gruhn das schwarz-weiß karierte Tuch. „Es war schon ein schwieriges Rennen mit viel Abwechslung und viel Regen. Gestartet bin ich auf Slicks und blieb auch sehr lange draußen, bis ich auf Regenreifen umwechseln ließ. Ich denke, das war ein entscheidender Faktor. Am Ende konnte ich noch an dem BMW vorbei“, berichtete Gruhn. Und noch eine schnelle Pilotin schlüpfte vorbei. Victoria Froß (Seat Leon TCR) bestätigte in der Magdeburger Börde ihre aufsteigende Tendenz und landete auf Platz zwei. „Ich mag so gemischte Verhältnisse und Regen sowieso. Man musste schon reinkommen, weil es sehr viel Regen war. Es war schon schwierig. Da hat man kaum Sicht gehabt. Wir sind sehr zufrieden und froh, dass das Auto heil geblieben ist“, so die Zweite der Division 2. Hinter Rölleke landete Desiree Müller (Opel Astra TCR) auf den vierten Klassenplatz. Der Opel-Pilotin gelang als Gesamtsiebte der Sprung in die Top 10. Diese komplettierten dahinter Vyautas Venskunas (Porsche 993 GT2), Franjo Kovac (Mercedes AMG GT4) und Berthold Gruhn (Audi R8 LMS).

Victoria Froß (Seat Leon TCR) überzeugte mit zwei beherzten Rennen // Foto: Jürgen Holzer

Dem zweiten Rennen drückte ganz klar Victoria Froß ihren Stempel auf. Die schnelle Seat-Pilotin lag von Anfang an in Führung, zuerst vor Giuseppe Fico im BMW M4 GT4, dann vor Max F. Gruhn. Der spürte zudem den Druck von Fico. Nur beim Pflichtstopp verlor Froß den ersten Platz in der Division 2. Gegen Ende wurde es noch einmal richtig eng. Fico folgte dem Seat im direkten Windschatten. Und auch Gruhn hatte Sichtkontakt zu den beiden vor ihm Platzierten. Am Ende entschieden nicht einmal zwei Zehntel. „Ich bin richtig happy. Es war ein sehr schweres Rennen und richtig spannend. Ich hoffe, dass wir in Assen an diese Leistung anknüpfen können. Gegen Ende wurde es mit den Reifen immer schwieriger, weil die Strecke doch stark abtrocknete“, freute sich die Gesamtvierte über das starke Ergebnis. Platz fünf holte sich Fico vor Gruhn. Dahinter landeten Desiree Müller, Franjo Kovac, Berthold Gruhn und Jürgen Hemker (Audi R8 GT4) in den Top 10. Rang elf ging an Johannes Kreuer mit seinem Donkervoort D8R.