Hertner holten den Titel: Gesamtsiege für Scheibner und Golz

Das Finale der Spezial Tourenwagen Trophy (STT) auf dem Nürburgring wartete noch einmal mit allem auf, was einen packenden Saisonabschluss ausmacht. Die Gesamtsiege in der Eifel gingen an Timo Scheibner (BMW M4 GT3 / H&R Spezialfedern) und Michael Golz (Lamborghini Huracán GT3 Evo / MH-Motorsport).

Beim Start musste Timo Scheibner zunächst auf Michael Golz achten, der mit seinem Lamborghini gefährlich nahe kam. Der BMW-Pilot behauptete sich jedoch und setzte sich anschließend schnell vom Verfolgerfeld ab. Im Ziel hatte Scheibner souveräne 17,344 Sekunden Vorsprung. „Das Rennen lief super, die Zeiten waren gut und ich konnte sehr konstant durchfahren. Beim Start kam der Lambo schnell auf und wir waren auch kurz nebeneinander. Ich konnte mich aber vorne behaupten“, berichtete Scheibner.

Duell um Platz zwei
Dahinter lieferten sich Michael Golz und Martin Zander (Audi R8 LMS GT3 Evo II) über weite Strecken ein enges Duell. Knapp über eine Sekunde betrug im Ziel der Abstand zwischen den beiden GT3-Boliden. Golz zeigte sich mit dem Rennverlauf zufrieden, nachdem es am Freitag noch Probleme mit dem Auto gegeben hatte. „Martin Zander konnte ich in Schach halten, einmal war er nahe dran. Aber dran und vorbei sind noch zwei Paar Schuhe“, befand Golz.

Martin Zander zeigte sich auch mit Platz drei zufrieden // Foto: Patrick Holzer

Auch Zander war mit dem dritten Platz zufrieden. „Mit den Rundenzeiten bin ich zufrieden. Es hat alles gut funktioniert. Ich habe zweimal versucht zu attackieren und vorbeizufahren. Das war mir dann allerdings doch zu heikel. Ich habe dann doch wieder zurückgesteckt. Für mich ging es ja eigentlich um nichts“, erklärte der Audi-Pilot.

Terting trumpft im Regen auf
Zumindest auf der Strecke hatte Peter Terting (Porsche Cayman GT4 RS / Up2race) das Ziel auf Platz eins überquert. Um noch die letzten Meisterschaftschancen zu wahren, hatte das Team ein Ersatzfahrzeug organisiert, mit dem Terting das Finale alleine bestritt. Auf der regennassen Strecke entwickelte sich ein packender Zweikampf mit Jürgen Alzen im BMW M4 GT3. Immer wieder setzte sich Terting beim Anbremsen neben den deutlich leistungsstärkeren GT3, teilweise schob sich der Porsche sogar leicht vorbei. Doch erst als sich Alzen ohne Fremdeinwirkung drehte, war der Weg für den Porsche-Piloten an die Spitze frei. Zwar brachte Terting den ersten Platz sicher über die Ziellinie, am Ende gab es aber für ein Vergehen beim Boxenstopp eine Zeitstrafe.

Peter Terting spielte im Regen seine Qualitäten aus // Foto: Patrick Holzer

„Mein Gott. Man steckt ja nicht in der Technik drin. So ist das halt. Das war viel Pech, dass das ausgerechnet beim letzten Lauf passiert. Aber trotzdem haben wir es geschafft, zumindest den Divisionssieg zu holen“, so Terting.

Golz profitiert von Tertings Zeitstrafe
Durch den Dreher von Alzen war auch Michael Golz noch vor dem Boxenstopp am M4 vorbeigekommen. Der Leipziger legte nach dem Pflichthalt deutlich zu und war klar Schnellster auf der Strecke. Auf rund zwei Sekunden schmolz der Abstand zusammen. Dass es im Nachgang noch den Sieg gab, war der Lohn für eine starke Leistung im Regen. „Ich bin ewig nicht mehr im Regen gefahren und war ein bisschen nervös. Zu Beginn hatte ich wegen der kalten Reifen kaum Traktion, da habe ich die anderen passieren lassen. Ich habe mir gedacht, das Rennen ist lang, die hole ich mir noch alle nach und nach“, so Golz.

Michael Golz profitierte am Ende von einer Zeitstrafe // Foto: Patrick Holzer

Platz drei in der Gesamtwertung holte sich Jürgen Alzen, während dahinter Thomas Ambiel (Duqueine D-08) als Gesamtvierter und Dritter der Division I ins Ziel kam. Auch hier hatte ein Dreher gleich zu Beginn ein möglicherweise besseres Ergebnis verhindert.

Spannung in der Division II
Durch den frühen Ausfall von Peter Terting / Thomas Frank mit Getriebeschaden gleich zu Beginn des ersten Rennens wurden in der Division II die Karten neu gemischt. Hier setzte sich im ersten Rennen Jorma Vanhanen (Porsche 997 GT3 Cup S) gleich zu Rennbeginn ab. Gegen Ende schmolz der Vorsprung auf Sven Krüger / Julius Krüger (Porsche Cayman GT4 RS) jedoch immer mehr zusammen. Gerade als Julius Krüger dicht im Windschatten war, kam der 17-jährige Cayman-Pilot beim Anbremsen der Veedol-Schikane aufs Grün und drehte sich ins Aus. Dadurch war Vanhanen der Sieg sicher.

Gegen Ende wurde für Jorma Vanhanen noch einmal eng // Foto: Patrick Holzer

Dahinter landeten Christian Klien / Alex Lamberts (Lotus Emira GT4) auf Platz zwei vor Michael Crossley-Wright / Andreas Schürmann (McLaren Artura Trophy Evo). Hochspannung war vor allem zu Rennbeginn geboten, als sich Sven Krüger, Andreas Schürmann und Christian Klien einen engen Dreikampf lieferten. „Beim Start war in den ersten Kurven etwas Tumult. Danach waren die drei GT4-Autos die ganze Zeit zusammen. Am Schluss haben wir noch die ein oder andere Position wegen Ausfällen oder Problemen gewonnen“, berichtete Christian Klien.

Alex Lambertz und Christian Klien sicherten sich im letzten Rennen noch Tabellenrang drei // Foto: Patrick Holzer

Noch besser lief es für Klien und Lamberts im zweiten Rennen. Auf der nassen Strecke lieferte sich der ehemalige Formel-1-Pilot einen engen Zweikampf mit dem Porsche von Julius Krüger. Erst nach dem obligatorischen Pflichtstopp entspannte sich die Situation, und Klien / Lamberts fuhren als starke Gesamtfünfte den Divisionssieg ein. Platz zwei ging an Krüger / Krüger vor Jorma Vanhanen.

Doppelsieg für Yannik Bohmann
Zwar waren alle Augen auf Meisterschaftsfavorit Roland Hertner (Hyundai i30 N TCR) gerichtet, doch einer stahl dem neuen STT-Champion ein wenig die Show. Bei seinem zweiten Einsatz für Lubner Motorsport im Opel Astra TCR trumpfte Yannik Bohmann ganz groß auf. Im ersten Rennen holte sich der Opel-Pilot als Gesamtsechster den souveränen Sieg in der Division III vor Roland Hertner und David Stein (Hyundai Veloster TCR).

Yannik Bohmann beendete die Saison mit einem Doppelsieg // Foto: Patrick Holzer

Auch im Regen zeigte Bohmann sein Können. Diesmal setzte ihn Routinier Rainer Noller, der im zweiten Hyundai i30 N TCR des Liqui Moly Team Engstler unterwegs war, von Beginn an unter Druck. Der Schwabe war bei seinem Rundstrecken-Comeback im ersten Durchgang wegen Elektronikproblemen ausgefallen und zeigte nun, dass er nichts verlernt hat. Den zweiten Sieg von Bohmann konnte allerdings auch er nicht verhindern.

„Damit habe ich vor dem Wochenende nicht gerechnet. Ich weiß ja, wie schnell Roland eigentlich ist. Aber das mit dem Astra hat heute auf dieser Strecke richtig gut gepasst. Ich bin auch im Regen super zurechtgekommen. Und jetzt mit zwei Siegen bin ich einfach nur happy“, freute sich Bohmann.

Hertner holt den Meistertitel
Durch den Ausfall von Thomas Frank und Peter Terting im ersten Rennen musste Roland Hertner im letzten Durchgang eigentlich nur noch ins Ziel kommen. Diese Aufgabe löste der Heilbronner mit Bravour. Mit Platz drei in der Divisionswertung war ihm der Titel nicht mehr zu nehmen.

Roland Hertner ließ beim Finale nichts mehr anbrennen // Foto: Patrick Holzer

„Das erste Rennen ist für mich optimal gelaufen. In der ersten Runde ist mein härtester Widersacher um die Meisterschaft gleich ausgefallen. Da wusste ich, dass ich mein Auto nur noch ins Ziel bringen musste. Ich habe mich aus allem rausgehalten und bin absolut kein Risiko eingegangen. Während des zweiten Rennens habe ich mich wohlgefühlt. Regen ist mein Lieblingswetter. Es fiel mir schwer, nicht richtig Vollgas zu fahren. Aber ich musste, wie schon heute Morgen, mein Auto nur herumtragen und durfte kein Risiko eingehen“, berichtete der frischgebackene STT-Meister.

Die Division IV ging in beiden Rennen an Daniel Kahlig, der im BMW M2 Racing erstmals in der STT am Start war.

Kurioser Samstag
Noch bevor das erste Qualifying am Samstag gestartet wurde, ging plötzlich nichts mehr. Ein Teilnehmer einer anderen Serie hatte auf einem Großteil der Strecke eine Ölspur hinterlassen, die sich aufgrund der Nässe nicht einfach beseitigen ließ. Deshalb mussten zunächst Spezialfahrzeuge herangeschafft werden. Das dauerte einige Zeit, sodass das erste Rennen auf Sonntag verschoben wurde.

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