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VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring 2010
Hattrick beim Saisonhöhepunkt
Mit der Energie des letzten Sieges startete das junge Team Kappeler Motorsport aus Bad Saulgau in den 7. Lauf zur Langstreckenmeisterschaft Nürburgring (VLN). Das Rennen mit einer Distanz von sechs Stunden ist das längste im VLN-Kalender und markiert den Saisonhöhepunkt. Für Kappeler Motorsport endete das Rennen auf dem Podium. Kleine technische Probleme im freien Freitagstraining verlangten von Teamchef Thomas Kappeler  und seinen Mechanikern zunächst 
 © Uwe Meuren
 Klassensieg beim 6h-Rennen 
etwas Kopfarbeit zur Fehlersuche und anschließend reichlich Fingerfertigkeit zur Fehlerbehebung. Bis tief in die Nacht arbeitete das junge Team aus Bad Saulgau am BMW M3, um im Rennen am nächsten Tag keine unliebsamen Überraschungen zu erleben. Nach kurzer Phase der Nachtruhe starteten Thomas Kappeler und Werner Weiss (Plochingen / Bad Saulgau) pünktlich am Samstagmorgen um 08:30 Uhr ins offizielle Zeittraining zum 7. Lauf der VLN. Der Teamchef selbst drehte die ersten beiden Runden im Training und markierte mit 8:54 die schnellste Zeit in der Klasse SP5, in der Kappeler Motorsport an den Start ging. Für Werner Weiss war es nicht nur das erste Rennen auf dem bärenstarken BMW, sondern auch das erste Rennen auf dem Nürburgring und der Nordschleife: Der Rennfahrer geht üblicherweise mit einem eigenen Wagen bei Bergrennen an den Start und sollte in Vertretung für den Holländer Donald Molenaar an der Seite von Kappeler starten. Auch Weiss drehte zwei ausbaufähige Runden, mit denen Teamchef und Fahrer ganz zufrieden waren.

Wackelkontakt sorgte für Adrenalin-Schübe 
Pünktlich um 12:00 Uhr wurde das Rennen gestartet. Startfahrer Kappeler wurde sofort in die Zange genommen und mit Karosserie-Kontakt in die erste Kurve geleitet. Um eine Kollision zu verhindern, steckte er zurück und ließ beide Kontrahenten zunächst ziehen, blieb jedoch ständig in Schlagdistanz und setzte sich zeitgleich von den Verfolgern ab. Wohl wissend, dass ein 6h-Rennen nicht in der Startphase entschieden wird, versuchte Kappeler so unspektakulär und defensiv als nur möglich zu fahren. Wie aus dem Nichts tauchten plötzlich Elektronik-Probleme auf: Immer wieder gab es für Bruchteile von Sekunden Aussetzer der gesamten Bordelektrik. Das verursachte nicht nur Thomas Kappeler hinterm Lenkrad Adrenalin-Schübe, sondern den per Funkt informierten Mechanikern auch Kopfzerbrechen. Nach zehn Runden kam der BMW M3 routinemäßig zum Boxenstopp, Werner Weiss stand zum Fahrerwechsel und die Mechaniker zum Tanken, Reifen wechseln und zur Fehlersuche bereit. Tatsächlich, die pfiffigen Schrauber von Kappeler Motorsport fanden die Ursache der Elektrikprobleme und konnten den Schaden mit wenigen Handgriffen beheben. Weiss wurde auf die Piste geschickt, um die gute Vorarbeit seines Teamchefs fortzuführen.

Platz eins mit etwas Glück
Für Werner Weiss, der bei Bergrennen üblicherweise alleine auf der Strecke ist, war es eine völlig neue Erfahrung, sich den Kurs mit gut 200 Wettbewerbern zu teilen. Trotz seines ersten Rennens macht er seine Sache gut und drehte vor den Augen des Teamchefs konstante Rundenzeiten. Gleichzeitig hielt er sich an die Order von Thomas Kappeler: Lieber einmal mehr zurück stecken als das Fahrzeug in einen Unfall zu verwickeln. Nach sieben Umläufen steuerte Weiss den Wagen an die Box, um seinem Teamchef das Feld zu überlassen. Durch den etwas längeren Boxenstopp mit Fehlersuche rutschte das Team auf Rang zwei der Klasse SP5. Zwar konnte Thomas Kappeler im folgenden Stint über zehn Runden wieder auf die Spitze aufschließen, zum echten Angriff reichte es jedoch nicht wirklich. Das Team entschied, dass Kappeler auch den letzten Stint fahren sollte. In Runde 28 steuerte er die Box an, die Crew reinigte Scheiben, wechselte Räder, kontrollierte Öl- und Wasserstände und tankte den Wagen erneut randvoll. Gleichzeitig ließ sich Kappeler mit frischem Getränk versorgen,, ehe er für weitere 12 Runden ins Rennen ging. Nach wie vor auf Platz zwei liegend versuchte er sich an die Spitze ran zu kämpfen. Und dann war dem Bad Saulgauer Team Fortuna hold: Das in Führung liegende Auto bekam technische Probleme, Kappeler witterte Morgenluft und startete einen letzten Angriff. Dabei fuhr er mit 9:01 seine schnellste Runde an diesem Tag. Das offenbar Unmögliche wurde am Ende doch noch Wahrheit: Trotz des relativ großen Rückstands konnte Kappeler den Führenden überholen und Platz eins der Klasse SP5 einfahren. Mit nur drei Runden Rückstand auf den Gesamtsieger beendete das Team den Saisonhöhepunkt auf Rang 14 der Gesamtwertung – von knapp 200 gestarteten Fahrzeugen! 

Die VLN geht nun für acht Wochen in die Sommerpause, der achte Lauf findet am 25. September 2010 statt, die Renndistanz beträgt vier Stunden.

Stimmen nach dem Rennen
Thomas Kappeler, Teamchef und Fahrer
„Zunächst mein Kompliment an die gesamte Mannschaft: Wenn nicht alle so engagiert mitarbeiten würden, wäre der Sieg nicht machbar gewesen. Danke dafür. Werner Weiss hat seinen Job gut gemacht, sich aus allem raus gehalten und den Wagen ohne Blessuren an die Box zurück gebracht. Ein toller Einstand für ihn. Aus eigener Kraft hätten wir den Sieg nicht mehr erlangen können. Die technischen Probleme der Konkurrenz haben uns in die Karten gespielt. Glück hatten wir bei der Fehlersuche, die hätte auch deutlich länger dauern können. Wir haben Reifen von Hankook getestet, die super funktionierten, wenn sie auch jeweils zur Mitte des Stints etwas Leistung verloren. Die Pause haben wir bitter nötig, um uns und den Wagen etwas Ruhe zu gönnen und alles wieder auf Vordermann zu bringen.“

Werner Weiss, Fahrer
„Ich bin zufrieden und auch wieder nicht: Meine Rundenzeiten waren ganz ok, ich weiß jedoch, dass ich durchaus deutlich schneller hätte fahren können. Allerdings wollte ich das Team unterstützen und nicht mit einer unüberlegten Situation ins Verderben reißen. Der Wagen ist erstklassig vorbereitet und ganz einfach zu fahren. Ich denke, mit ein paar Runden mehr werde ich auch schneller und kann Kappeler Motorsport noch mehr unterstützten. Fakt ist, dass ich reichlich Spaß an diesem Wochenende hatte. Mit dem Team und dem Auto.“
Redaktionsbüro Uwe Meuren

Artikel vom 03.08.2010

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