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Langstreckenmeisterschaft Nürburgring
Zur alten Leistung zurück gefunden
Die Ursache des Leistungs- mankos beim BMW 318is des Team Derscheid waren kurz vorm dritten Rennen zur Langstreckenmeisterschaft Nürburgring (VLN) gefunden. Mit frischem Elan ging das Team Rund um Teamchef und Fahrer Rolf Derscheid an den Start. Der Jubel über den 
Klassensieg ging jedoch in der Trauer um einen getöteten Fahrer unter. Während die fahrerische Leistung bei den ersten beiden Rennen zur VLN tadellos war, kämpfte der sonst zuverlässige BMW mit Leistungsverlust.
 © Derscheid Motorsport
 Fahrerisches Können überzeugte
Nach reichlich Überstunden und Nachtschichten in der heimischen Werkstatt wurde der Fehler gefunden und behoben. Ein Test auf dem Leistungsprüfstand brachte Gewissheit: Der BMW-Motor lieferte wieder volle Leistung, das Team konnte mit geschärften Waffen angreifen.
Bei Sonnenschein und ungewohnt milden Morgentemperaturen ging Michael Flehmer (Heiligenhaus) zuerst auf die Jagd nach einer guten Zeit. Seine Runde war zwar gut, aber weit weg vom perfekten Umlauf. So musste Teamchef Rolf Derscheid (Much) in den Kampf, um die beste Startposition zu ergreifen, die er wenigstens kurzfristig dem Team sichern konnte. In letzter Sekunde konterte der Wettbewerb und verbannte das Team Derscheid mit einem Vorsprung von 7/100 Sekunden auf Rang zwei der Klasse V2. Während sich die Fahrer auf der Strecke schon im Training einen sehenswerten Schlagabtausch lieferten, schickte Teamchef Derscheid einen Mechaniker als Unterstützung zur Konkurrenz: Denn das Schweizer Team Stefan Abegg/ Benedikt Frei musste mit Kupplungsproblemen das Training vorzeitig beenden und hatte nicht genügend Mechaniker, um die Reparatur pünktlich zum Rennbeginn abgeschlossen zu haben. 
Traditionell saß Michael Flehmer zuerst im Auto: Die „heiße“ Startphase sowie die beiden ersten Rennstunden hatte er zu absolvieren. Auf Platz zwei liegend folgte er dem Führenden der Klasse wie ein Schatten, beide schenkten sich nichts und so wechselte die Führung in der Klasse ständig. Als erste Überrundungen anstanden und die ersten „großen“ Fahrzeuge von hinten auf die Klasse V2 aufliefen, begann Flehmer mehr auf Sicherheit zu fahren. Ohne Brechstange und somit ohne die Gefahr eines Unfalls blieb er auf Rang zwei liegend dem Führenden auf den Fersen. In Runde sechs machte der Konkurrent einen entscheidenden Fehler, rutschte von der Strecke und Flehmer konnte ihn gefahrlos überholen. Während der Wettbewerber sich waidwund zur Box schleppte, sorgte Flehmer auf Platz eins liegend für stetig wachsenden Vorsprung. Nach zwei Stunden Renndauer war der Einsatz für Flehmer beendet. Auf Platz eins liegend, mit reichlich Abstand zum Verfolgerfeld übergab er den BMW an seinen Teamchef und Fahrerkollegen Rolf Derscheid.

Rennabbruch nach Unfall mit Todesfolge
Derscheid fuhr nur noch so schnell, um den Abstand zu den Verfolgern zu kontrollieren. Ohne Risiko drehte er seine Runden, fuhr schneller, wenn der Abstand schmolz und langsamer, wenn er groß genug war. Doch der erfahrene Nordschleifenpilot konnte 1,5 Stunden des Rennens genießen: In seiner 8. Runde brach die Rennleitung das Rennen ab. Ursache war ein schwerer Unfall im Bereich Bergwerk, bei dem ein Fahrer noch an der Unfallstelle verstarb. Zunächst war der Jubel über Platz eins im Team Derscheid groß, bis das ganze Ausmaß des tragischen Unfalls wie ein Lauffeuer im Fahrerlager die Runde machte. Augenblicklich rückten Sieg und Pokal beim Team Derscheid in den Hintergrund, fortan waren alle Gedanken beim getöteten Fahrer und dessen Angehörigen. 
Der vierte Lauf zur Langstreckenmeisterschaft Nürburgring findet am 12. Juni 2010 statt, die Renndistanz beträgt ebenfalls vier Stunden.
Text und Foto: Redaktionsbüro Meuren

Stimmen nach dem Rennen
Rolf Derscheid, Teamchef und Fahrer:
„Wir sind wieder voll da, unser Auto hat seine Leistung wieder, wir haben gezeigt, dass wir nach wie vor siegen können. Im Freitagstraining spielte der 2. Gang nicht richtig mit, so dass wir am Freitagabend noch das Getriebe gewechselt haben, was sich als gut herausstellte. Denn im Rennen hätten wir keine Möglichkeit gehabt es zu wechseln, falls die Probleme schlimmer geworden wären. Der Sieg hat natürlich einen bitteren Beigeschmack, schließlich haben wir einen Fahrerkollegen verloren. Wir trauern mit der Familie des Fahrers und sprechen unser tiefstes Mitgefühl aus.“

Michael Flehmer, Fahrer:
„Der Kampf um die Spitze war extrem hart. Zwar konnte ich am Führenden dran bleiben, nicht jedoch, ohne sehr hohes Risiko zu gehen. Daher habe ich mich auf dem zweiten Platz gehalten, was sich am Ende ausgezahlt hat. Das Auto war wieder fit und von Derscheid Motorsport erstklassig vorbereitet. Mein Beileid zum Tod des Fahrerkollegen. In solchen Momenten bekommt man unsanft vor Augen geführt, wie gefährlich unser Sport in Wirklichkeit ist, was zu schnell vergessen wird.“
Redaktionsbüro Uwe Meuren

Artikel vom 26.04.2010

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