So setzte der „Reifenflüsterer“ wie die Konkurrenten Jürgen Bender respektvoll nennen, auf unterschiedliche Fabrikate und Gummimischungen des „Schwarzen Goldes“. Das führte sofort zum Erfolg.1:46.050. Eine satte Verbesserung um knapp zwei Sekunden. „Eine Welt für den Porsche Bj.2006“, erklärte ein Teammitglied. „Hätten wir jetzt noch das neue Fahrwerk“., und drückte die Unterlippe dabei kopfschüttelnd wehmütig nach oben. Der Gesichtsausdruck des Mannes im schwarzen Overall sprach Bände. Dann das Briefing vor dem zweiten Training in Box 33. Mann fällte eine Entscheidung. Eine weitere Reifensorte sollte getestet werden. Der weiße Porsche GT3 wurde angehoben und die neuen Räder montiert. Das
zweite Training hellte die Mienen der Crew weiter auf. 1:45.982. Das Rennen am nächsten Tag musste mit fast vollem Tank gefahren werden. Die Luftdrücke wurden exakt dazu angepasst. Dann das Rennen. Der Start verlief super. Im Gewühl der 46 Teilnehmer hieß es jede Rangelei zu vermeiden. Platz 2 in der Klasse vor Jo Klüber in der Callaway-Corvette war am Ende unter den gegebenen Umständen ein recht ordentliches Ergebnis. „Bezüglich der Rundenzeiten wäre sogar noch minimal mehr drin gewesen“, so Bender im Ziel. Leider war das Rennen praktisch bereits nach sieben Runden beendet. In Folge eines heftigen Abflugs des amtierenden Meisters Hans Christian Zink (CH) konnte Jürgen Bender nur noch hinter seinem Vordermann Jens Hochköpper im GT2-Porsche ins Ziel fahren.
Die Rundenzeit des zweiten Trainings unterbot Jürgen trotz vollem Tank erneut“, so Renningenieur Marco Bayer echt happy. 1:45.430 zeigte die Messungen von SDO-Sport-Timing an. Das war die schnellste Runde der Unterländer Fahrer in diesem Rennen. Mit fünf Startern waren die Fahrer aus dem Raum Heilbronn besonders stark vertreten. Im zweiten Rennen des Tages wurden die Rundenzeiten dann aber deutlich langsamer. Auch der Schweizer Gesamtsieger Jürg Aeberhard im 750PS starken Porsche GT2, gute 300PS stärker als die GT3-Modelle der Unterländer Fahrer, fuhr eine um knapp eine Sekunde langsamere Bestzeit als in R1. Aufs Siegertreppchen fuhr Bender dennoch. Das interessanteste Ergebnis des Hockenheimwochenendes erbrachte die Auswertung aller gefahren Rundenzeiten aller Teilnehmer beider Rennen. Es stellte sich heraus, dass Jürgen Bender in Rennen 1 eine Traumrunde in den Hockenheim-Asphalt geknallt hatte. Es war dem Neckarsulmer in der 4. Rennrunde mit fast vollem Tank gelungen in allen Sektoren der Strecke seine persönliche Bestzeit zu fahren – die persönliche, perfekte Traumrunde.
Es musste aber dringend weiter entwickelt werden. Am 3. Mai war es dann endlich soweit. In Hockenheim auf dem Formel-1-Kurs holte das Erlenbacher Team Sportwagenschmiede die ausstehende Testarbeit nach. Es herrschte Hochbetrieb, als am Dienstag nach der Mittags-pause begonnen werden konnte.
Porsche, Lamborghini, Audi mit dem R8 und das Team Callaway mit der Corvette für Sven Hanawald waren vor Ort. Eine echte GT-rush hour wenn man so will. Jürgen Bender gelang es dabei alleine über die Fahrwerkseinstellungen, Wagenhöhe vorne und hinten, Federn, Dämpfer und weitere Kleinigkeiten, tiefe 1.45er Rundenzeiten in den Asphalt zu krallen. "Und das ohne die optimale Reifenmischung dabei zu haben", fügte Benders Renningenieur hinzu. „Da dürfte wohl durchaus noch einmal eine knappe Sekunde drin liegen“, so ein Techniker der Konkurrenz in der Nachbarbox. Der Saisonauftakt der AvD-100-Meilen findet am 15. Mai auf der neuen Italienischen Rennstrecke Franciacorta am Gardasee statt. Ziel für das Team um den Neckarsulmer Porsche-GT-Fahrer ist es, die vom AvD und dem DMV veranstaltete Langstreckenserie zusammen mit Partner Martin Dechent zum vierten Mal zu gewinnen. Keine leichte Aufgabe. |